Mit Erlaubnis: Medienhaus Lensing, Videobild von Peter Fiedler

Einfach machen – oneshot video für die Lokalzeitung

Zwei Wochen durfte ich Redakteure (und natürlich -innen) der Ruhr Nachrichten, der Halterner, Dorstener und Münsterland Zeitung auf dem Weg begleiten, künftig Videos zu produzieren. Unter den mehr als 30 Journalisten waren Mitglieder der Chefredaktion, Lokalchefs sowie andere Redakteure. Diese werden intern als Transformatoren bezeichnet – sie sollen das Medienhaus Lensing auf den Weg in eine multimediale Zukunft begleiten sollen: Medien-Transformation oder englisch Media-Transition.

Der Verlag hatte sich für die von mir entwickelte #Oneshot Produktionsmethode entschieden (s.u.), die alle Teilnehmer jeweils in nur 2 Tagen in einem Intensivseminar erlernt haben. Oneshot Reportagen werden in einem Take gedreht und entstehen in nur ca. 15 Minuten Produktionszeit. Hier ein Beispiel einer Geschichte (über die Neueinkleidung bei der Polizei NRW) die unmittelbar nach dem Seminar entstanden ist. Es gibt eine klassische Online-/Blattgeschichte und zusätzlich ist weiter unten auf der Seite ein Video eingebunden.

Ich veröffentliche hier exklusiv eine Beitragsanalyse aus professioneller Sicht, wie ich sie für eine Supervision oder ein Online-Learning Modul anfertigen würde oder sie in ähnlicher Form  im Seminar mündlich formuliere. Das entspricht meinem Lehrkonzept von „learning on the job“.

Oneshot-Video: Im Polizeibekleidungscenter Lünen

Beitrag von Peter Fiedler, Ruhr Nachrichten, 25.10.2017

Gesamteindruck:

Eine überaus gelungene Reportage in Oneshot-Technik. Thema ist die Einkleidung von Polizisten am Rande eines offi­ziel­len Pressetermins. Es werden gleich zwei Interviewpartner eingebaut, die funktional passend befragt werden. Zudem enthält der Beitrag einen „reportagigen“ Einstieg mit einer hinreichenden Übersicht über den Handlungsort und einen erzählerischen Ausstieg.

Der Beitrag ist insgesamt informativ, logisch und erzählerisch aufgebaut, hat überraschende Mo­mente, wie die Vielzahl der Ausrüs­tungsgegenstände im Einkaufswagen. Weiterhin bietet er einen Blick hinter die Kulissen, die ein Foto oder begleitender Text nicht so einfach liefern kann. Er ist ein außergewöhnlich gutes Beispiel für eine deutliche Erweiterung der journalistischen Darstel­lungs­möglichkeit durch den Einsatz von Videoreportagen im Lokalen. Dies, trotz knappem Zeitbud­get für die Redaktions­arbeit. So geht Medien-Transition.

Oneshot sorgt für Authentizität

Die extrem schnelle Produktionsmethode „Oneshot“ gibt dem Stück eine Authentizität, die mit einem anderen Format (gebauter Beitrag, BmE) nicht unmittelbar zu erzielen gewesen wäre. Der Mut zu komplizierten Laufwegen wird durch interessante Darstellungen belohnt. Der Autor beherrscht die komplexe Berichtstechnik insgesamt gut (in einigen Momenten gera­dezu virtuos). Er zeigt kurze Unsicherheitsmomente, die aber die Authentizität stützen. Er lie­fert eine gelungene, kurzweilige und durchweg journalistisch motivierte Video-Reportage ab.

Technische Umsetzung:

Ton und Bildqualität sind durchweg gut. Die Sprachverständlichkeit ist gut. Es wurde mit vorhandenem Licht gearbeitet. Die Beleuchtung ist in allen Szenen ausreichend. Die Kamerastabilität ist gut.

Gestaltung der Szenen:

Die verwendeten Einstellungsgrößen sind durchweg sachgerecht geplant und in der Ausfüh­rung gelungen. Das Framing und die Blickorientierung sind überwiegend passend gewählt. Durch die Vielzahl der Einstellungsgrößen und Blickwinkel wird der klassische Schnitt einzelner Szenen überflüssig gemacht. Dadurch wird das Reportageformat betont.

Ein zusätzlicher Überblick über die Vielfalt der Ausrüstungsgegenstände oder eine ausführliche Ganzkörperdarstellung (mit angezogener Uniform) hätten den Beitrag noch weiter aufgewertet.

Szenenkritik:

Einstieg (0:00)

Bildebene: Der Gang mit der Kamera ist sta­bil. Als Erweiterung dieser Mit Erlaubnis: Medienhaus Lensing, Videobild von Peter FiedlerGestaltungsidee wäre es möglicherweise inte­res­sant gewesen, in die Kartons hinein zu gucken und dann in den langen Gang zu blicken oder umgekehrt.

Textebene: „Ein Blick hinter die Kulissen…“ funktioniert gut. Alternativ hätte man so anfangen können: „Scheinbar endlose Regale im XY Depot. Hier lagern..“, um dann im Vorbeilaufen den Fokus der Kamera in die Kartons zu richten – und viel­leicht auch einen vorbereiteten (ausgepackten) Artikel in die Kamera zu halten.

Alternative Idee für den Einstieg: Langsames hochfahren von den Schuhen bis zum Gesicht der Protagonistin und dabei die Ausrüstungsgegenstände erläutern, nahtlos ins Interview.

Vorstellung Interviewpartner (0:13)

Bildebene: Mit Erlaubnis: Medienhaus Lensing, Videobild von Peter FiedlerMein Vorschlag wäre hier, die war­tenden Inter­viewpartner rechts oder links zu pos­tieren, damit die Kamera nicht so lange auf sie zuhält. Stattdessen hätten an dieser Stelle vielleicht zwei in neuer Ausrüstung be­kleidete Kollegen stehen können. Danach wäre die Kamera dann zu der Interview­grup­-pe seitlich abgeschwenkt.

Einkaufswagen (0:42)

Bildebene: Mit Erlaubnis: Medienhaus Lensing, Videobild von Peter Fiedler(Vorschlag) Vorab die Verpackun­gen ent­fer­nen und durchaus den Interview­partner auffor­dern, Teile davon vorzuzeigen/ al­ternativ selbst mit der Hand etwas anheben und ein paar Teile vorstellen/kommentieren.

Textebene: „Da war auch Überraschendes da­bei…“ Hiervon hätte ich gerne mehr gesehen.


Hinweis zu Bauchbinden:

Mit Erlaubnis: Medienhaus Lensing, Videobild von Peter Fiedler(Es handelt sich hier nur um vorläu­fige Grafiken) Die Funktionsbe­zeich­nungen sind für eine optimale Lesbarkeit bei­de etwas lang. Bei Wortzusammenset­zun­gen: Entweder entgegen der orthografisch richti­gen Schreibweise einen Bindestrich einfügen oder „Bekleidungscenter Polizei“.

Bildgestaltung O-Töne

Das Framing der O-Töne ist durchweg gut. Man hätte sich zwei unterschiedliche Hinter­grund­aktivitäten wünschen können. Bei dem zweiten O-Tongeber wäre es vielleicht möglich ge­we­sen, während des Interviews mit der Kamera rechts oder links so weit zu wandern, dass es einen veränderten Hintergrund mit zusätzlicher Bildinformation ergeben hätte.
Blick­rich­tung ist teils nicht optimal, führt aus dem Bild heraus.

Schlussszene

Bildebene: Die Schlussszene ist Mit Erlaubnis: Medienhaus Lensing, Videobild von Peter Fiedlerinsgesamt gut gelungen. Eine alter­na­tive Bildidee ist, mit der Kamera von vorne in den Korb (vorher Verpackung entfernen) und in Richtung Protagonistin zu schauen/aus dem Bild gehen lassen.

Textebene: Die Frage drängt sich auf, wo die um­fang­rei­che Ausrüstung (beim Abtransport) verstaut werden soll.

Media-Transition

Der Beitrag ist, insbesondere als Erstlingswerk in Oneshot-Technik nach nur 2-tägi­ger Schu­lung, eine außergewöhnliche und sehr anerkennenswerte Leistung. Er de­monstriert in besonderer Weise das Potential von begleitenden Video-Berichten für die im Lokalen traditionell in erster Linie textlich-orientierte Berichterstattung (Media-Transition).


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Medienhauses Lensing, Dortmund, Chefredaktion vom 26.10.2017.
Alle Fotos aus dem Video, Autor Peter Fiedler.

 

 

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Weiterer Hintergrund zu Oneshot-Video Reportagen (englisch):

https://ruhrnalist.de/2015/12/04/webvideo-oneshot-for-the-whole-picture/

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