Oneshot Video Produktion

Kampf gegen Post-Fake-News – mehr Authentizität im Journalismus

Die #Oneshot Video Reportage habe ich vor gut 5 Jahren entwickelt. Ich wollte die Produktion von Nachrichten-Videos für das Web radikal vereinfachen und schnell machen. Kamera an, das Thema als Reportage an einem Ort vorstellen, ein bis zwei Interviews einbauen, fertig und upload ins Web. 15 Minuten nach Drehbeginn ist der Beitrag online. Diese Produktionsmethode hat aber noch einen ganz anderen Vorteil: Sie verleiht der Geschichte eine unschlagbare Authentizität. Bilder werden nicht zusammen geschnitten. Alles ist quasi-live vor Ort.

Post-Fake-News

Wir kommen in eine Post-Fake-News Phase. Damit meine ich: Nutzer und Öffentlichkeit können auch bei genauer Prüfung nicht mehr unterscheiden, ob es sich um echte Nachrichten handelt.  Oder ob sie Aussagen von gesellschaftlichen Vertrauensankern wie Präsidenten, Amtsträger oder moralische Autoritäten glauben können. Denn die Technik erlaubt es nun, diese Aussagen künftig in Wort, Sprache und Bild in beliebiger Weise zu verändern. Die Rezipienten sind ohne Chance dies zu enttarnen. Das ist ein radikaler Umbruch der Vertrauenskultur der öffentlichen Debatte. Dieses einfache Beispiel verdeutlicht das Problem:

Spam – unerwünschte E-Mails – lassen sich aussortieren, ohne dass es dort zu großen Fehlerkennungsraten von echten Mails kommt. Mit einem kritischen Blick auf solche Mails waren bislang die meisten Nutzer recht schnell in der Lage eine Spam-Mail zu erkennen. Doch das wird immer schwieriger. Dies funktioniert seit einigen Jahren auch recht gut automatisch auf Großrechnern der Provider, anhand von gleichartigen Mustern. Denn viele Nutzer bekommen ähnliche Spam-Mails.

Künstliche Intelligenz

Waren es anfangs schlechte Übersetzungen, Schreibfehler oder ungeschickte Formulierungen, sind aktuelle Spammails weit besser in der Täuschung geworden. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Formulierung zunehmend KI-gesteuerten (künstl. Intelligenz) Robotern übernehmen. Und weil es sich seltener um simple Übersetzungen aus fremden Kulturkreisen handelt. Wenn diese KI-formullierten Texte jetzt noch mit persönlichen Daten z.B. aus Social Media Profilen verbunden werden, wird es kompliziert. Dann werden sogar die menschlichen Empfänger selbst Schwierigkeiten haben, diesen Spam von echten Mails zu unterscheiden. Soviel zum Beispiel der Spam-Emails.

Wenn man das Beispiel auf die Medien überträgt: Dort erwarte in eine vergleichbare Situation. Dann werden selbst erfahrene Nutzer nicht mehr sofort zwischen echt und gefälscht unterscheiden können. Und Schuld daran sind zum Teil ausgerechnet die Medien selbst. Sie haben die Aufgabe unverfälschte Informationen zu sammeln, aufzubereiten und zu berichten, meist aus Kostengründen den Journalisten weggenommen. Computer-Programme formulieren automatisiert Nachrichten. Bots antworten auf Anfragen der Nutzer. Redaktionen nutzen massenhaft PR- oder Agenturmaterial, statt auf eigene Berichterstatter zu setzen.

Jeder kann Sender sein: ist das positiv?

Hinzu kommt: es gibt eine Nachrichtenrevolution. Die Aufnahme- und Übertragungstechnik, die bereits in jedem Smartphone steckt, hat sich drastisch verbessert. Sie ermöglicht es quasi jedermann ohne große Kosten selbst zum Sender zu werden. Dies scheint zunächst einmal eine durchweg positive und Demokratie-fördernde Entwicklung zu sein, doch sie kann auch durch eine Unübersichtlichkeit der Absender zu dem Gegenteil beitragen.

Adobe hat im vergangenen Jahr sehr eindrucksvoll gezeigt, wie sich Videos und Audios nahezu beliebig verändern lassen. Die Tools, die dort entwickelt werden, heißen Voco and Cloak. Mit dem ersten Tool können authentisch klingende Aussagen beliebig per Sprachsynthese künstlich erstellt werden. Dazu braucht man nach ein  paar echte Sprechproben einer Person. Anschließend kann oft selbst der kopierte Sprecher die Fakes kaum von seiner wahren Stimme unterscheiden. Mit dem anderen Tool lassen sich gezielt Teile aus laufenden Videobildern entfernen und mit anderen Inhalten ersetzen. Wer diese Techniken kombiniert, kann damit nahezu beliebige Aussagen im Video erstellen oder auch zensieren.

Medien haben ihren Frankenstein geschaffen

Mit dem Trennen von Nachrichten von eigenen Berichterstattern haben somit viele Medien ihren Frankenstein geschaffen. Ein scheinbar menschlich anmutendes Informationsmonster, dass sich nun gegen sie selbst richtet. Es besteht die Gefahr, dass diese Informationsmonster, analog zu Spam-E-Mails, künftig kaum noch zu erkennen sein werden. Die Tragweite solcher Scheinnachrichten ist aber natürlich noch viel größer. Werden z.B. politische Parteien, wirtschaftliche Interessengruppen oder Regierungen sie nutzen, liegen apokalyptische Visionen nahe. Ein solches Szenario würde die Wahlmanipulationen in den USA in den Schatten stellen.

Einfach machen – oneshot video für die Lokalzeitung

Wenn man Nachrichten, Audios und Videos künftig also nicht mehr trauen kann, wo ist dann die Lösung? In der Flut von Informationen könnten also glaubwürdige Journalisten oder Medien-Häuser als Marken eine Renaissance haben. Aus meiner Sicht eignet sich dafür als Instrument auch die von mir für den Lokal-Journalismus propagierte #Oneshot Video-Reportage in besonderer Weise. Dabei werden kurze Nachrichtenvideos in einer (oder wenigen) Einstellung gedreht und ohne aufwändige Nachbearbeitung sehr kurzfristig publiziert.

Quasi-Live Format hat Authentizität

Ein solches Quasi-Live Format hat daher schon in sich eine hohe Authentizität. Es werden keine Bilder zusammen geschnitten oder bildliche Zusammenhänge konstruiert. Alles passiert vor Ort beim Filmen. Zeitliche und örtliche Entwicklungen lassen sich durch eine Serie von solchen #Oneshot Videos abdecken. Diese Produktionsmethode, in Verbindung mit einer glaubwürdigen journalistischen Marke eines Reporters oder Mediums, könnte ein möglicher Gegenentwurf zum Informationsmonster Frankenstein sein.

oneshot – schnelles Video im Lokaljournalismus

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